Parasit Ausstellungskonzept, Teil der Diplomarbeit, 2007

Es gibt kein System ohne Parasiten. Sie durchdringen alles und sind nicht auszuschließen. Ideale Ordnung existiert nicht, sie ist nicht stabil oder von Dauer. Der Parasit ist die Störung und garantiert so Veränderung.
Bei der Entwicklung der Marke «Parasit» stand das temporäre Ausstellungskonzept im Vordergrund.
Bei den als «Stadtparasiten» bezeichneten Ausstellungsräumen, die den Größen einzelner Exponate angepasst sind, handelt es sich um eine Art Guckkästen.
Sie treten konzentriert in Arealen des öffentlichen Raumes auf, gegenüber dem sie sich parasitär verhalten. Sie schmarotzen am Raum selbst, sowie seinen Besuchern, deren Aufmerksamkeit sie erlangen wollen.
Mit den ständigen Veränderungen unserer Lebensgewohnheiten befindet sich auch der öffentliche Raum im Wandel. Vor allem der urbane Raum bildet längst keine Einheit mehr, sondern erscheint dem Betrachter wie zusammengewürfelt. Durch Bestückung des Raumes mit Dingen unterschiedlicher Funktion und Herkunft entstehen häufig skurrile Konstellationen.
Oft kommt es zu Situationen der Überlastung, wenn diese Dinge geballt auf engem Raum auftreten. Wenn z.B. eine historische Straßenlaterne auf ihrer ganzen Länge von Mülleimer, Aschenbecher, Wegweisern, Werbe- und Straßenschildern befallen wird.
Manches urbane Equipment lässt den Betrachter nicht unbedingt auf Herkunft und Funktion schließen.
Andere Dinge wiederum sind so deplatziert angebracht, dass man ihre Existenzberechtigung anzweifeln muss, z.B. wenn ein Stromkasten mitten im Blumenbeet steht.Hier nistet sich der «Stadtparasit» bevorzugt ein.
Formal getarnt als ein solcher urbaner Gegenstand, wie beispielsweise Rohre oder Kästen, macht er mit einem Augenzwinkern durch seine Eigeninszenierung auf die örtliche Situation aufmerksam. Ein Übersehen ist nicht auszuschließen, doch sein nicht ganz perfektes Tarnverhalten ermöglicht dem aufmerksamen Betrachter dennoch die Entdeckung.
Ist die Neugierde erst einmal geweckt und der Betrachter geht der Sache weiter auf den Grund, wird er erneut durch die völlig unerwartete Ausstellung im Inneren des «Stadtparasiten» überrascht. Der Moment der Entdeckung schärft so nicht nur die Aufmerksamkeit für die vorgefundene Situation, sondern auch für das im «Stadtparasiten» ausgestellte Objekt.
Es entsteht beim Interessierten eine Art Suchspiel nach weiteren Ausstellungen und indem er Gegenstände auf ihre «Echtheit» überprüft, wird seine Sensibilität für den öffentlichen Raum gesteigert.
Im Kampf um Aufmerksamkeit drängt sich vor allem die Werbung mit immer gigantischeren Strategien auf. Durch seine Zurückhaltung verhält sich der «Stadtparasit» entgegengesetzt.
Die überraschende Begegnung hinterlässt beim Betrachter einen bleibenden Eindruck, der sich durch eine Art ansteckende Kommunikation zum Selbstläufer entwickelt.


Hier hat sich ein «Stadtparasit» in der Fachhochschule Dortmund eingenistet. Aufgrund mehrmaliger Umnutzung und den damit verbundenen Umbauten ging die geradlinige Struktur des Bauhausgebäudes vielerorts verloren.
Skurrilerweise kommt an dieser Stelle ein Abflussrohr aus der Decke, läuft durch den Gang und verschwindet wieder im Boden.
Direkt gegenüber hat sich ein «Stadtparasit» platziert.


Beispiele kurioser Situationen im Zentrum der Essener Innenstadt.